Opernsanierung

Worum geht es?

Die Stuttgarter Oper, mehrmals als Oper des Jahres ausgezeichnet, ist der Inbegriff für Hoch- und Spitzenkultur in Stuttgart schlechthin. Als Teil des Dreispartenhauses ist die Oper zusammen mit dem Staatstheater und dem Ballet ein Eigenbetrieb des Landes Baden-Württemberg. Die Kosten teilen sich das Land und die Stadt jeweils zur Hälfte, das ist in einem Staatsvertrag geregelt.

Das Problem: Die Spielstätte der Oper, der sogenannte Littmann-Bau im oberen Schlossgarten (neben dem Landtag), ist stark sanierungsbedürftig. Das Gebäude ist allerdings denkmalgeschützt; und neben der Sanierung soll gleich noch erweitert und eine neue Bühne eingebaut werden.

Zahlen & Fakten

Für die Sanierung und Erweiterung der Oper werden Kosten zwischen 600 Millionen und 1 Milliarde Euro geschätzt – die Hälfte davon müsste die Stadt tragen. Außerdem erhält das Dreispartenhaus jährlich 50 Millionen Euro für die Betriebskosten von der Stadt (und dieselbe Summe noch einmal vom Land), Tendenz steigend. Jedes Ticket, dass die Oper verkauft, ist durch den jährlichen Betriebskostenzuschuss mit durchschnittlich 120 Euro subventioniert. Die Oper beschäftigt über 1000 Mitarbeiter*innen. Für die Zeit der Sanierung soll ein Interim (ohne Nachnutzung) für 90-120 Millionen Euro neben den Wagenhallen entstehen.

Die Beschlusslage

Lange hatte sich (trotz der irren Kosten) aus den Reihen der Parteien niemand getraut, dieses Projekt infragezustellen – bis der Verein Aufbruch Stuttgart um den Moderator Wieland Backes kam und langsam ein Umdenken einsetzte. Nun wird geprüft, ob nicht doch irgendwo ein Neubau die bessere Alternative wäre.

Das Problem: Die Geschicke der Oper werden durch den Verwaltungsrat gelenkt, der hälftig durch Landtag und Gemeinderat besetzt ist. Dort sitzen hauptsächlich kulturaffine Leute, die es als ihre Aufgabe sehen, für den jeweiligen Kulturbetrieb das beste Ergebnis (unabhängig von den Kosten) rauszuholen. Der Gemeinderat und der Landtag sollen deren Entscheidungen jeweils im Nachgang nur noch abnicken und das Geld freigeben.

Konkrete Zahlen, wie viel ein Neubau oder die Sanierung denn tatsächlich kosten würden, wurden über die ganzen letzten Jahre übrigens trotz zahlreicher Forderungen nicht erhoben… Ein Schelm, wer böses denkt!

Unsere Position

Dass der Littmann-Bau saniert werden muss, steht außer Frage. Und doch stehen in Zusammenhang mit diesem Großprojekt unglaublich viele Fragen im Raum, die sich kaum jemand öffentlich zu fragen traut.

Dies geht schon bei der jährlichen Förderung los: Während kleine Kulturbetriebe häufig um das Überleben und jeden einzelnen Euro städtischer Förderung kämpfen, kann sich das Dreispartenhaus zur Zeit über 100 Millionen Euro öffentliche Zuschüsse pro Jahr freuen – und diese steigt ständig! Es scheint hier auf die ein oder andere Millionen (aus Sicht der verantwortlichen Parteien) nicht anzukommen. Dies liegt auch darin begründet, dass der politisch besetzte Verwaltungsrat den Haushalt der Oper selbst festlegt und der Gemeinderat und Landtag dies dann in der Regel einfach durchwinken.

Die nächste Frage ist, weshalb ein Betrieb, der ohnehin schon 100 Millionen Euro Förderung jährlich benötigt, auch noch erweitert werden soll – was mit Sicherheit eine noch höhere Förderung nach sich ziehen würde. Das Gegenteil wäre logisch. Besonders fragwürdig in diesem Zusammenhang: Die Erweiterung des Littmann-Baus kostet etliche zusätzliche Millionen, da hierfür extra die denkmalgeschützten Mauern ab- und wieder aufgebaut werden müssen.

Geht gar nicht: Das Interim bei dem Wagenhallen. Zum einen müssen hierfür Container der dort ansäßigen Künstler*innen weichen, zum anderen werden circa 100 Millionen in einen Bau investiert, für den momentan (außer ein ominöser Weiterverkauf an wen auch immer) kein Plan zur Nachnutzung besteht.

Ein Vergleich: Die Kosten für den Bau der Neckarwelle wurden auf 4,2 Millionen Euro geschätzt. Dies erschien einigen Stadträten „sehr hoch“ (von denen man übrigens noch keine Silbe zu den Kosten der Opernsanierung gehört hat). Müsste die Stadt – optimistisch geschätzt – für die Sanierung der Oper „nur“ 420 Millionen Euro bezahlen, entsprächen die Kosten der Neckarwelle also gerade einmal 1% davon!

Fazit

Die Opernsanierung darf nicht das nächste Projekt werden, bei dem die Kosten völlig aus dem Ruder laufen. Deshalb fordern wir:

  • fundierte Zahlen über die Kosten für Sanierung und für die Alternative Neubau
  • ein alternatives Nutzungskonzept für den Littmann-Bau, falls es zu einem Neubau kommt
  • eine nachnutzbare Alternative für das bisher geplante Intermin an den Wagenhallen
  • eine Diskussion über einen Eigenbeitrag der Oper zu den Kosten der Sanierung oder des Baus: Sobald diese abgeschlossen ist, sollte die städtische Förderung entschieden gekürzt werden (was im Gegenzug z.B. teurere Tickets, energetische Einsparungen, eventuell weniger Vorstellungen, …) oder zumindest auf Jahre auf dem Status Quo eingefroren werden (also nicht wie bisher ständig steigen)
  • eine Gesamtdiskussion über die ungleiche Verteilung der Förderungsmittel im Kulturbetrieb